... meine Kurzgeschichten ...
 



... meine Kurzgeschichten ...
  Startseite
  Über...
  Archiv
  Die Reisenden
  Der großartige Herr Klein
  Das Sardonische Lachen
  Augenblicklich
  Ein Tag mit Frost
  Flucht
  Der Schuldnerbrief (Originalfassung)
  Der Schuldnerbrief (Lesungsversion)
  Geschätzte 20m tief
  Die Regenbogenbrücke
  Vergiss mein nicht
  Ein Sommersonnenuntergang
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Aslaroth
Letztes Feedback

http://myblog.de/horizontzeilen

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

Vergiss mein nicht

Ich erinnere mich nicht mehr so genau an jede Einzelheit, aber eine Sache habe ich noch ganz genau vor Augen: Tinkas Gesicht.
Ich werde es wohl niemals mehr vergessen. Auch nicht diesen Ausdruck in den Augen damals. Aber ich will gar nicht in der Mitte, sondern wirklich von vorne anfangen.
Es soll nicht so wirken, als wäre Tinka immer so wie an jenem morgen gewesen.
Das war sie nicht. Und das ist mir wichtig aufzuschreiben.
Mein Name ist Olivia Lawrence und als es passierte war ich gerade 16 Jahre alt.
Ich dachte nicht daran, dass die Zeit vergehen würde und ich älter werden würde. Ich dachte nicht an morgen, mir gehörte der Tag.
Mir und Tinka. Ich kannte sie seit der 5. Klasse und keine Freundschaft in meinem Leben ist jemals wieder so intensiv gewesen.
Wir taten alles gemeinsam, teilten Kummer und Freude wie Schwestern. Gingen abends gemeinsam aus und schwärmten für die Jungs aus der Oberstufe.
Wenn man uns nicht lange kannte, hätte man gemeint, wir wären uns sehr ähnlich.
Aber wenn wir nachts aus einer Bar oder Disko wiederkamen, wurde Tinka stiller. Sie war nicht abwesend oder abweisend, sondern einfach nachdenklicher.
Mittlerweile bin ich der Meinung, dass sie sich schon damals Gedanken über ihre Zukunft machte. Eine Zukunft, die ihr nicht wohlgesonnen war.
In der Schule kam sie mehr schlecht als recht durch und ich wage zu sagen, dass ich sie all die Jahre auf dem Gymnasium mitschleifte.
Ich dachte vielleicht, es könnte ewig so weiter gehen, nichts könnte uns jemals trennen, oder ich machte mir gar nicht erst Gedanken darüber.
Ich dachte, wir könnten die Sterne vom Himmel holen, würden wir es nur wollen.
Tinka wusste es besser.
Sie wusste, dass in ihrem Leben nichts, außer vielleicht mir, war, wofür es sich zu leben lohnte.
Oft stand sie einfach vor unserer Tür und ich glaube, sie sagte immer etwas wie: „Schon wieder.“
Ich weiß nur noch, dass es immer dasselbe war: Ihre Eltern stritten und stritten sich, es flogen Gegenstände und manchmal riefen die Nachbarn die Polizei, weil sie dachten, der Vater bringt die Mutter nun endgültig um.
Aber das tat er natürlich nicht. Auch im betrunkenen Zustand hatte er soviel Verstand beisammen, dass er wusste, es würde ihn hinter Gitter bringen, sollte er Tinka oder ihrer Mutter was antun.
Dann kam Tinka zu uns. Meiner Mum war es lieber, Tinka war bei uns, als zu Hause, wo Mutter und Vater sich anschrieen und bewarfen.
Das Jugendamt ließ Tinka trotzdem da. Schließlich wurde sie nicht geschlagen und gerade genug Geld war auch immer da.
Es gab also keinen Grund, sie dort herauszuholen.
Wenn ich heute über so etwas nachdenke, frage ich mich, wie es sein konnte, dass mich das alles mit 16 einen verdammten Scheiß interessiert hatte.
Nach diesem Tag war das natürlich anders.
Ich will nicht nur erklären und rechtfertigen, warum Tinka das getan hat, sondern auch, warum ich mitmachte.
Rechtfertigen will ich mich doch eigentlich nicht wirklich und ich tat es auch nicht aus den selben Gründen wie Tinka, aber ich kann sie heute trotzdem verstehen. Ich kann nachvollziehen, wie es dazu kam. Vielleicht hätte ich nicht anders gehandelt, wer weiß das schon?
Mein Grund es durchzuziehen war Tinka. Nichts und niemand anderes bewegte mich damals dazu, ihr bei Seite zu stehen. Es mag sich kitschig anhören, aber ich habe sie wirklich grenzenlos geliebt.
Sie hätte so ungefähr alles von mir verlangen können, und sie wusste das.
Und genau deshalb ließ sie mir die Wahl. Hätte sie von mir verlangt, ihr zu helfen, ich hätte es ohne zu zögern getan.
Aber so fragte sie mich, ob ich ihr jetzt beistehe. Sie sagte, sie würde mich trotzdem ewig lieben, sollte ich es nicht tun.
Aber ich will mit diesem Tag beginnen und nicht sein Ende erzählen.
Es war Februar und die Klassenfahrt nach Köln war lange geplant.
Weder Tinka noch ich waren jemals in Köln gewesen und sie war es ihr ganzes Leben nicht mehr.
Denn das endete ja vorher.
Nun gut, von Anfang, ich neige dazu weiter abzuschweifen.
Um 9 Uhr oder um den Dreh, sollte der Bus von der Schule abfahren und wir trafen uns alle ungefähr eine viertel Stunde früher, um noch etwas zeitlichen Spielraum zu haben.
Tinka wartete, wie jeden Tag, an der Bushaltestelle und ich weiß noch, wie dunkel sie an diesem verschneiten morgen zwischen all der hellen Unschuld aussah.
Ihre schwarzen, struppigen Haare standen in alle Richtungen gebürstet von ihrem Kopf ab und betonte ihr an jenem Tag besonders blasses Gesicht.
Dieser Blässe zum Trotz hatte sie diesen unverkennbaren, schmollenden „Ich-Will“-Gesichtsausdruck, den ich immer bewunderte.
Aber damals, im Schnee, wusste ich noch nicht, was sie wollte. Sie wusste es ganz genau.
Wir umarmten uns zur Begrüßung stürmisch, als hätten wir uns schon eine Ewigkeit, seit gestern, nicht mehr gesehen.
Einzelne Flocken rieselten noch vom Himmel, daran erinnere ich mich.
Wir gingen gemeinsam zur Schule und redeten über irgendetwas unbedeutendes. Vielleicht über Patrick aus der 11, den wir damals so toll fanden, mit seinen langen Haaren.
Es war auch nicht wichtig, worüber wir redeten, oder?
Hätte es irgendwas geändert, hätten wir über Tinkas Probleme geredet? Vielleicht.
Vielleicht aber auch nicht.
Mit 16 begriff ich die Regeln der Zeit nicht, aber wenn ich mit den Jahren eins gelernt habe, dann ist es das, dass sich nichts mehr ändern lässt, was bereits geschehen ist.
Könnte ich noch einmal entscheiden ob ich ihr helfe oder nicht, ich würde es wieder tun.
Für Tinka. Gegen die Welt. Gegen alle anderen.
Die Lehrer und die meisten Schüler waren schon da und es gab erstmal ein großes „Hallo!“, als Tinka und ich auftauchten.
Im Nachhinein würde mir auffallen, dass Tinka noch stiller als sonst war, aber in diesem Moment war alles so, wie es sein sollte.
„Wie viel Geld hast du mit?“
„Bist du noch mit Jan zusammen?“
„Hat Anita wirklich mit diesem Einen Schluss gemacht?“
„Gehen wir gleich shoppen?“
Smalltalk, bis die Bustüren sich endlich öffneten, um die Schülerschar einzulassen.
Von der Kälte in die Wärme.
Tinka und ich setzten uns direkt nach vorne, denn Tinka wurde manchmal übel, wenn sie hinten im Bus saß.
Als wir uns kichernd in die harten Schulbussitze fallen ließen, wusste ich noch nicht, dass Tinkas Übelkeit nicht der einzige Grund war, weshalb sie nach vorne wollte.
Ihre Sporttasche, in die sie nun alles Nötige für diesen Tagesausflug gestopft hatte, nahm sie auf die Knie aber die Jacke zog sie aus, das weiß ich noch.
Wie soll ich weiter erzählen?
Dinge die mir kurze Zeit später wichtig erschienen sind jetzt Nichtigkeiten für mich, und umgekehrt.
Es dauerte knapp eine Stunde, bis es soweit war. Was geschah bis dahin?
Ich weiß es nicht mehr. Es ist so, als würden die Ereignisse später soviel Platz in meinem Kopf benötigen, dass sie diese eine Stunde aus meinem Gedächtnis gelöscht haben.
Schneite es in dieser Stunde? Mit wem redete ich? Woran dachte ich?
Es wird mir nie wieder einfallen, denn der Schatten der heraufziehenden Ereignisse bedeckt diese Sinnlosigkeiten, diese Kiesel des Lebens, welche unbemerkt am Wegesrand liegen.
Der Weg, den alle gehen, die Einen müssen sich an riesigen Felsbrocken vorbei bis zum Ziel vorkämpfen und die Anderen erwartet nichts anderes als eben solche Kiesel.
Aber was ist das Ziel?
Schon damals war Tinkas Ziel ein anderes als das Meinige.
Ich wollte nach Köln, sie wollte Vergessen. Sie wollte den letzten Ausweg wählen.
Sie wollte etwas tun, damit man sie nicht so schnell vergisst.
Ich schreibe dies, weil ich auch nicht will, dass man sie vergisst. Wäre dann nicht alles umsonst gewesen?
Plötzlich macht sie ihre Tasche auf. Die Tasche liegt auf ihren Knien, vielleicht hat sie sie während der ganzen Fahrt nicht heruntergenommen?
Es schneit.
Irgendwie ist alles auf ein Mal so laut, als ich sehe, was Tinka in ihrer Tasche gleich oben auf liegen hat: Zwei Revolver.
Ich sitze da, neben Tinka, und sie hat in ihrer Tasche zwei Revolver. Ich habe die Beine übereinander geschlagen und die Arme verschränkt. Grade habe ich ihr etwas erzählt. Vielleicht über Patrick, das kann gut sein.
Und Tinka macht ihre Tasche auf.
Einfach so. Einfach so, als gehörten sie dahin, lagen dort, in ihrer blauen Sporttasche, zwei Revolver.
Was dachte ich? Woran dachte ich? Vielleicht an einen Krimi den ich einige Tage früher geguckt hatte?
Oder war ich wie gelähmt?
Die Zeit stand still. Tinka machte ihre Tasche vor meinem geistigen Auge wieder und wieder auf. Ihr Inhalt blieb gleich. Zwei Revolver. Zwei.
Schwarz. Wie aus einem Film. So deplaziert, wie eine Gabel zur Suppe.
Ganz unreal glänzten die Waffen im Licht und die Zeit begann weiter zu laufen.
Unaufhaltsam dem Ende von Tinkas Weg entgegen.
„Mensch, Tinka! Warum hastn die mit?“
Tinka guckt mich an. Sie guckt mich einfach an und ihre Sommersprossen passen nicht in das bleiche Gesicht.
Die grünen Augen schlagen sich nieder und sie nimmt die Revolver langsam aus der Tasche.
„Weißt du Livi, irgendwann geht jeder. Die Einen gehen still und sind schnell vergessen. Die Anderen, an die erinnert man sich. Ich will nicht, dass du mich vergisst.“
Ich verstehe sie nicht. Was will sie mir sagen?
Es ist, als geschehe es gerade wieder. Ich sehe die Wörter vor mir, die ich geschrieben habe, aber statt Buchstaben sind Bilder in meinem Kopf. Es passiert grade wieder. Jetzt. Hier. In meinem Kopf.
Tinka lächelt dünn.
„Hilfst du mir? Wenn nicht, ich liebe dich trotzdem, das weißt du.“
Wobei?
Meine Kehle ist zugeschnürt, ich weiß nicht, was sie vorhat.
Ich kenne ihre Gedanken in jenem Moment nicht. Aber ich kenne Tinka.
„Ja.“
Mehr kann und brauche ich nicht zu sagen.
„Okay.“, sagt Tinka.
Okay, nein, gar nichts ist okay!
Aber das kann ich ihr nicht sagen. Sie weiß es doch.
War jemals irgendwas okay?
Ich zweifle. Es geschieht so schnell, meine Gedanken überrollen sich.
Sie gibt mir die eine Waffe und ich nehme sie vorsichtig in die Hände. So viel Macht in so einem kleinen Gegenstand.
Schwer wiegt die Entscheidung auf mir und schwer liegt der Revolver in meiner Hand.
Haben die anderen was gesehen?
Plötzlich ist alles wieder da: Die Umgebung scheint wieder in mein Bewusstsein zu rücken und ich schwitze.
Vor Angst? Oder sollte ich es wagen zu sagen vor Aufregung? Vor Freude?
Tinka und ich, gegen den Rest der Welt.
Sie steht auf.
Da steht sie, es schneit, der Bus schaukelt, alle reden. Und sie steht da, hat in der rechten Hand einen Revolver und starrt durch die Reihen.
Die ersten sehen die Waffe.
Noch steht sie da, rührt sich nicht. Es wird still.
Ein paar Lehrer wollen etwas sagen.
Viele unserer Freunde und Klassenkameraden wissen nicht, ob Tinka einen Scherz macht.
Aber Tinka scherzt nicht.
Sie schreit: „Das! Das ist das Ende! Hiermit bringe ich diesen Bus in meine Gewalt!“
Macht sie Spaß? Keiner sagt was. Doch, eine Lehrerin schon. Oder war es ein Lehrer?
Sie sagt: „Katinka...“
Tinka!, schreie ich in meinem Kopf. Tinka, was tust du?
Auch ich kann nicht zurück.
Ich stehe auf. Die Hände schweißnass umklammere ich den Revolver.
„Ihr setzt euch jetzt alle hin. Sofort.“, sagt Tinka und schießt. In die Luft. In die Decke des Schulbusses.
Der Fahrer zuckt zusammen und wir fahren einen leichten Schlenker. Durch den Schnee...
Einige Kreischen. Jetzt glauben sie Tinka. Jetzt glauben sie mir, denn ich hebe die Waffe.
„Tut was sie sagt.“, sage ich kalt. Nein, nicht nervös oder ängstlich. Ich klinge, zu meiner eigenen Überraschung ruhig und berechnend.
Als hätten wir das alles vorher zusammen geplant gehe ich zu Tinka in den Gang und schaue zu, wie sich alle Mucksmäuschenstill hinsetzen.
Die Lehrer und Schüler sind kreidebleich.
Ein Mädchen weint.
Die Jungs gucken fassungslos.
Tinka und ich, gegen sie alle.
Vor uns in den schmalen Reihen sitzen keine Freunde und Kumpels, da sitzen die, die Tinka nicht so schnell vergessen werden.
Schneit es noch? Ich erinnere mich nicht. Ich stehe da im Gang und könnte laut loslachen. Einfach so. Wir würden da stehen und lachen und die anderen mit uns. Alles wäre in Ordnung? Nein, und darum lache ich nicht.
Ich habe diesen Schritt gemacht, nun stehe ich zusammen mit Tinka vorm Abgrund.
Wie weit müssen wir noch gehen um zu fallen?
Tinka dreht sich zu dem vor Angst schwitzendem Busfahrer.
Erst jetzt fällt mir auf, wie fett er ist. Die rote Cappie mit der Bierwerbung klebt an seinem grauen, schütteren Haar, das die gleiche Farbe wie sein Schnauzer hat.
„Fahr von der Autobahn runter.“, sagt Tinka zu ihm.
Einer der Lehrer ist mutig, er will mit uns verhandeln.
„Olivia, Katinka, lasst es doch gut sein...“ Er zaudert. Das hätte er nicht tun sollen.
Tinka zielt, schießt und die Scheibe neben dem Lehrer zersplittert.
Wollte sie ihn verfehlen? Oder war es nur mangelnde Schießkunst Tinkas, welche dem Mann das Leben rettete?
Ich kann es bis heute nicht sagen.
Der Busfahrer nimmt die nächste Ausfahrt und ich stehe noch immer dort im Gang, neben Tinka.
Was geschieht als nächstes? Was hat Tinka vor? Will sie wirklich jemanden verletzen?
Egal was, ich bleibe hier bei ihr stehen, nur noch Tinka zählt, alles andere verlischt.
Mein Mitgefühl gegenüber Teresa, Marie, Knut.
Ihre flehentlichen Blicke prallen an meinem Panzer ab. Ihr Leben ist nichts mehr wert, denn nur noch Tinka zählt.
Sie soll wissen, sie weiß es, dass ich immer bei ihr bin, wie auch immer sie sich entscheidet.
Es ist nicht viel Zeit vergangen, dennoch scheint es mir eine Ewigkeit zu sein, seit Tinka neben mir saß und ihre blaue Tasche öffnete.
Jetzt guckt sie mich an. „Vergiss mein nicht.“, sagt sie.
„Es tut mir leid Livi, aber mein glanzloses Leben soll mit einem Feuerwerk enden.“
War sie verrückt? Vielleicht. Vielleicht lebte sie ihre morbiden Hoffnungen.
Die Hoffnung dem Tod zu trotzen und in meinem Herzen weiterzuleben. In den Gedächtnissen dieser Menschen.
Es wirkt nun so, als wäre Tinka bloss selbstsüchtig und durchgeknallt gewesen.
Aber ich verstehe sie. Wenn sie schon zu gehen hatte, dann wollte sie nicht heimlich, still und leise verschwinden, sondern sie wollte etwas hinterlassen.
War es nichts positives, nichts worauf man stolz sein konnte, dann sollte es etwas schreckliches sein.
Das vergessen Menschen schlechter als vielleicht ein Lebenswerk.
Wir fahren nun auf einer Waldstrasse durch einen Wald. Es ist hügelig.
„Jetzt.“, sagt Tinka. „Jetzt verabschiede ich mich. Vergesst mich nicht.“
Und dann sagt sie: „Livi, ich liebe dich.“, aber nur so leise, dass ich die Einzige bin, die es hört.
Sie dreht sich um und schießt.
Diesmal nicht daneben.
Ich sehe sie vor mir, sie schließt die Augen und drückt ab.
Ich sehe das Blut, der Bus hat keinen Fahrer mehr.
Dieser Schuss ist wie ein Wecker in der Frühe, er zeigt mir, dass das, was Tinka getan hat Realität ist, etwas, dass sich nicht mehr ändern lässt.
Und bevor der Bus mit dem toten Fahrer vor einen Baum fährt, schießt Tinka nocheinmal.
Diesmal ist es ihr Kopf, der der Gewalt der Waffe weicht.
Ich sehe ihren blutigen Kopf nicht mehr, denn in jenem Moment reißt die Wucht des Aufpralls alles mit sich.
Der Bus traf den Baum seitlich und wurde noch bei Seite geworfen.
Hier endet der Film in meinem Kopf. Filmriss, als nächstes das Krankenhaus.
Ich lebe und Tinka nicht.
Ich sage: „Ich liebe dich auch.“
Das ist das erste was ich sage, als ich im Krankenhaus zu mir komme.
Ich vergesse dich niemals, Tinka.
Auch der Richter wird diesen Fall niemals vergessen, denn ich ließ als Mittäterin meine Schuld nicht unbestraft.
Und auch die Verwandten des Busfahrers und der Menschen, die bei dem Aufprall starben, werden Tinka nicht vergessen.
Aber ich werde die Einzige von ihnen allen sein, die Tinka liebt. Immer geliebt hat und immer lieben wird.
Für mich ist sie kein Monster und auch keine Psychopatin, für mich ist sie die beste Freundin überhaupt. Der netteste Mensch, den ich jemals kannte.
Ich habe sie niemals dafür gehasst, dass ich bestraft wurde, dass ich bei dem Unfall hätte ums Leben kommen können.
Manchmal, wenn das Leben mir einen schmerzhaften Stoß versetzte, wünschte ich regelrecht damals mit ihr gestorben zu sein.
Doch ich habe ihr verziehen und mir musste ich auch verzeihen.
Ich würde alles nocheinmal tun.
Für dich, Tinka.

Wenn ihr diese Geschichte für eure Seite (oder sonstiges) kopiert, dann verweist bitte auf mich und hinterlasst mir ebenfalls einen Eintrag im Gästebuch mit Link. Danke!  




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung